Kühlbedarf von Gebäuden steigt deutlich an

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Es wird heißer in Österreich. Mit den von Jahr zu Jahr häufiger auftretenden Tropennächten mit über 20°C und Tagestemperaturen jenseits der 30°C steigt auch der Kühlbedarf von Gebäuden deutlich. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Klima- und Energiefonds und dotiert aus Mitteln des Klimaschutzministeriums

zeigt nun, dass sich der Kühlenergiebedarf bis 2050 ohne passive Kühlmaßnahmen beinahe verzehnfachen könnte. Abhilfe schaffen können hier passive Maßnahmen wie Gebäudebeschattung, Bauteilaktivierung und Nachtlüftung. Sie können den Kühlbedarf um über zwei Drittel senken. 

 

Bauliche Maßnahmen wie Bauteilaktivierung, Beschattung oder auch Begrünungen senken die Einflüsse von Hitzeinseln in Städten deutlich.
(Foto: GRÜNSTATTGRAU)

Die Studie wurde durch das AIT – Austrian Institute of Technology, das Energieinstitut an der Johannes-Kepler-Universität Linz und das Institut für Energiesysteme und elektrische Antriebe an der Technischen Universität Wien erstellt. Das Forschungsteam hat anhand vorhandener Daten zur Gebäudekühlung, Klimadatensätzen und anhand eines österreichischen Gebäudebestandsmodells verschiedene Szenarien bzw. Untersuchungsfälle festgelegt, welche mehrere aus heutiger Sicht realistische Entwicklungspfade repräsentieren. Das Ergebnis: Je nach Szenario und Gebäudekategorie variiert die Entwicklung des Kühlbedarfs stark und erhöht sich nur bei Gebäuden mit niedrigem Kühlbedarf nicht. Damit steigt die Notwendigkeit von adäquaten baulichen Strategien und Maßnahmen. „Wir müssen unsere Gebäude und unser Energiesystem auf den steigenden Kühlbedarf vorbereiten – mit PV-Anlagen auf den Dächern, Bauteilaktivierung und Beschattung“, sagt Klima- und Energiefonds-Geschäftsführerin Theresia Vogel. 
In Bezug auf öffentliche Förderprogramme empfehlen die Studienautoren, Maßnahmen zur Reduktion des Kühlbedarfs in die bestehenden Instrumente zur Reduktion des Heizwärmebedarfs zu integrieren. Passive Maßnahmen zur Reduktion des Kühlbedarfs könnten sowohl regulativ (Bauordnung) als auch als Förderkriterium expliziter herangezogen werden. Beim Fenstertausch zur Wärmedämmung könnte etwa das Anbringen von Rollläden forciert werden. „Die extreme Hitze im Sommer erfordert eine Kühlung von Gebäuden“, so auch Klimaschutzministerin Leonore Gewessler. „Die dafür nötige Energie muss aus Erneuerbaren kommen und durch sinnvolle bauliche Maßnahmen ergänzt werden. Die vorliegende Studie zeigt, welche Maßnahmen langfristig sinnvoll sind.“ 

Vor allem in Städten können zudem weitreichendere Maßnahmen ergriffen werden, etwa mit der Schaffung neuer Grünflächen und Bauwerksbegrünungen. „Begrünungen nehmen, so wie auch der natürliche Boden, Wasser auf und geben es über Pflanzen und Substrate kontrolliert und von der Natur zeitlich optimiert wieder in die Atmosphäre ab“, erklärt Susanne Formanek, Geschäftsführerin des Innovationslabors GRÜNSTATTGRAU. Ein Quadratmeter Dachbegrünung könne bei 25 Zentimetern Aufbauhöhe bereits die Füllmenge einer Badewanne aufnehmen. So kann Regenwasser zurückgehalten und zeitverzögert wieder abgegeben werden. „Mit Hilfe

von Bauwerksbegrünungen können Energiekosten gespart werden, da die Temperatur innerhalb eines Gebäudes im Sommer kühler beziehungsweise im Winter wärmer gehalten wird. Flächige Begrünungen am Dach und an der Fassade wirken somit wie eine Gebäudedämmung gegen Hitze und Kälte", erklärt Formanek. Unbegrünte Gebäudeoberflächen werden tagsüber deutlich heißer als die Umgebungsluft und strahlen diese Hitze auch noch über Stunden bis in die Nacht ab. In diesen Hitzeinseln schaffen Begrünungen als naturnahe Klimaanlagen Abhilfe und senken die gefühlte Temperatur spürbar, laut Formanek oft bis zu 13 Grad Celsius. 

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