Bewältigung der Klimakrise hat Top-Priorität

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Autor: Alexander Kohl

Die FFG hat unglaublich viele Themen- und Fokusbereiche: Was sehen Sie als die wichtigsten Ziele der FFG für die nächsten Jahre an?

Karin Tausz: So vielfältig das Aufgabengebiet der FFG ist, die Bewältigung der Klimakrise hat Top-Priorität. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir zukunftsweisende Lösungen für eine nachhaltige grüne Transformation finden. Gerade der Bereich Green Mobility ist für mich eine Herzensangelegenheit und hier passiert aktuell unglaublich viel.

Henrietta Egerth: Dem kann ich nur zustimmen! Die Relevanz des Themas spiegelt sich auch in den Förderungen wider: 64 Prozent der FFG-Förderungen werden jetzt schon in klimarelevante Projekte investiert! Neben Klima- und Umweltschutz ist die Digitalisierung das zweite große Fokusthema. Jeder zweite Förder-Euro im vergangenen Jahr wurde in Digitalisierungs-Projekte investiert. Klar ist, dass man hier dranbleiben muss, damit Österreich international wettbewerbsfähig bleibt. Mit der Klima- und Transformationsoffensive der Bundesregierung unterstützen wir die heimischen Unternehmen auch in den kommenden Jahren.

Was sind Ihre persönlichen Zielsetzungen für die nächsten Jahre?

Karin Tausz: Grundsätzlich gilt es, die Erfolgsgeschichte der FFG weiter fortzuschreiben und das jetzt schon sehr effiziente System noch weiter zu optimieren. Dabei möchten wir verstärkt die Wirkung der Förderungen – nicht als Einzelprojekte, aber des Gesamt-Portfolios – in den Fokus rücken und evaluieren. Große Ziele wie „Klimawende schaffen“ müssen auf eine messbare, überprüfbare Ebene übersetzt werden, um sicherzustellen, dass wir als Wirtschafts- und Innovationsstandort sowie als Gesellschaft unsere Ziele erreichen.

Henrietta Egerth: Und neben höherer Effizienz und Wirkung ist es natürlich immer ein Ziel, noch mehr zu erreichen als bisher. Daher ist eine weitere Erhöhung der Forschungsgelder – unter Berücksichtigung der derzeit schwierigen Rahmenbedingungen durch Inflation und Teuerung – unbedingt notwendig! Ohne deutliche Budgeterhöhung verlässt die Forschung sonst den gesetzlich vorgegebenen Wachstumspfad. Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können und Wachstum und Arbeitsplätze zu sichern, braucht es gerade jetzt Unterstützung für weitere Investitionen in die angewandte Forschung und Entwicklung. Bei der FFG sehen wir aktuell eine Steigerung von 12 Prozent bei den Antragszahlen – ausgelöst vor allem durch den KMU/Start-up-Bereich. Gleichzeitig konnten allein im letzten Jahr 20 Prozent der beantragten Förderungen mangels Mittel nicht gewährt werden – und das war noch ohne Teuerung! Das sind rund 500 Projekte. Hier droht in Österreich ein Brain-Drain. Dem muss jetzt entgegengesteuert werden!

Gibt es auch Veränderungen innerhalb der FFG, die es umzusetzen gilt?

Henrietta Egerth: Die FFG feiert nächstes Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. In diesen zwei Jahrzehnten hat sich die FFG, stark weiterentwickelt – von einer reinen Förderagentur als „bloße Verwalterin“ von Forschungsgeldern hin zu einem umfassenden Beratungs- und Kompetenz-Zentrum, das mittlerweile als unverzichtbarer Knotenpunkt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik agiert. Unser Ziel ist es, unsere Funktion als „Innovations-Drehscheibe“ noch stärker zu betonen und insbesondere unsere eigenen Dienstleistungen weiter auszubauen. Gerade im Bereich Beratung bzw. Coaching möchten wir Unternehmen, Institutionen, Forscherinnen und Forscher erfolgreich durch den „Förderdschungel“ führen und unsere Kundinnen und Kunden begleiten.

Wie sehen Sie Österreich generell im Bereich der Forschung und Entwicklung aufgestellt? Wo könnte man noch optimieren?

Karin Tausz: Wir haben ein sehr leistungsfähiges Innovationssystem: Österreich ist bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung mit einer Forschungsquote von 3,2 Prozent global unter den Spitzenreitern. Mit Platz sechs im European Innovation Scoreboard führen wir die Gruppe der „Strong Innovator“ an. Bei der Bewältigung der großen Herausforderungen – wie Klimawandel, Mobilitätswende, Technologiesouveränität – läuft uns jedoch die Zeit davon. Hier wollen und müssen wir mehr Tempo ins System bringen. Transnationale Initiativen wie „Horizon Europe“ zeigen, dass wir attraktive Partner für internationale Forschung sind. Seit Programmstart 2021 wurden insgesamt über 625 Millionen Euro an Förderungen an österreichische Projekte vergeben, das entspricht einem Anteil von 3,2 Prozent des Gesamt-Fördervolumens. Österreichs Wissenschaft und Wirtschaft war im Horizon Europe-Projekt von Beginn an sehr gut vertreten und setzt diesen positiven Trend auch heuer fort. Insgesamt stammen 1.332 Beteiligungen aus Österreich, was einem Anteil von 3 Prozent entspricht. Die Erfolgsquote der Beteiligungen – das heißt, der Anteil der bewilligten Beteiligungen – liegt für Österreich bei 22,8 Prozent und somit über dem Durchschnitt für die EU-Mitgliedsstaaten von 22,5 Prozent. Damit ist Österreich bei Horizon Europe wie auch schon beim Vorgängerprogramm Horizon 2020 weiterhin auf einem guten Weg.

Henrietta Egerth: Optimierungspotenzial gibt es jedenfalls bei der Abwicklung der Förderungen. In Österreich haben wir ein traditionell eher schwerfälliges, bürokratisches System. Zum Beispiel, was die Rahmenrichtlinien für Förderungen betrifft. Zu viele Auflagen und Dokumentationspflichten lähmen die Innovationskraft. In Bereichen, wo neue Technologien rasend schnell voranschreiten, muss man rasch agieren, um weiter handlungs- und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wo liegen die Förderschwerpunkte der FFG im Bereich Umwelt-, Energie- und Klimaschutztechnologie für 2024? 

Karin Tausz: Die FFG adressiert die großen Themen für die Twin-Transition, daher fließen die Förderungen vor allem in die Bereiche Energie und Umwelt, Produktion, Mobilität, IKT und Life Sciences. Mit der schon erwähnten Klima- und Transformationsoffensive wird die österreichische Wirtschaft bei ihrem nachhaltigen und digitalen Wandel für den Zeitraum bis 2026 mit rund 300 Millionen Euro an Förderungen unterstützt. Mit diesem zusätzlichen Förderbudget sollen die Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Unabhängigkeit heimischer Unternehmen gestärkt und nachhaltige Wertschöpfungsketten in Österreich aufgebaut werden.

Henrietta Egerth: Im Fokus der Transformationsoffensive stehen die Schlüsselsektoren Automotive, Halbleiterindustrie – auch im Hinblick auf den European Chips Act, Life Science und Digitalisierung. Gefördert werden die Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen, die einen signifikanten Beitrag zu Nachhaltigkeit, Krisenresilienz, Unabhängigkeit – z.B. Sicherheit von Lieferketten, gesellschaftlichen Herausforderungen oder den Ausbau von Kompetenzen, also transformative Unternehmensprojekte leisten. Unser Schwerpunkt ist: Investitionen in die Zukunft!

 

Henrietta Egerth - Geschäftsführerin FFG

Dr. Henrietta Egerth-Stadlhuber
Henrietta Egerth absolvierte das Studium der Handelswissenschaften an der Universität Linz und arbeitete danach einige Jahre in Brüssel. Zurück in Wien war sie für die Industriellenvereinigung tätig, ehe sie im Jahr 2000 in das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit wechselte, wo sie für Wirtschaftsförderungen sowie Forschung und Entwicklung zuständig war. Seit September 2004 ist sie Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Egerth ist Mitglied von Wissenschafts- und Forschungsräten (Stmk., OÖ, Sbg.) und darüber hinaus in Kuratorien und Aufsichtsräten vertreten, wie z.B. im Institut für Höhere Studien (IHS), der Universität Wien und seit 2019 Mitglied im Aufsichtsrat der Erste Group Bank AG. 

Karin Tausz - FFG

Mag. Karin Tausz
Karin Tausz studierte Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie war als Strategin, Managerin und Innovatorin in der Stadt- und Regionalentwicklung sowie im Mobilitätssektor in Forschungs-, Industrie- und Bahnunternehmen tätig. Sie ist seit 2020 Aufsichtsratsvorsitzende der Austro Control – Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt – und seit 2023 Aufsichtsrätin im AIT Austrian Institute of Technology. 

Henrietta Egerth und Karin Tausz - FFG
Fotos: FFG/EINZENBERGER

Henrietta Egerth
und Karin Tausz

Geschäftsführerinnen der FFG

„Unser Schwerpunkt ist: Investitionen in die Zukunft!“
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