EU-Aktionsplan Kreislaufwirtschaft forciert Circular Design

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Nach der Präsentation des „Green Deals“ im Dezember 2019 als „neue Wachstumsstrategie für Europa“ wurde nun am 11. März 2020 ein neuer Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft der Europäischen Kommission vorgelegt. Der Maßnahmenplan plädiert vor allem für die zirkuläre Wiederverwendung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen und Produkten.

Ziel der Kommission ist dabei eine Kreislaufwirtschaft, die für alle möglichen Produkte und Branchen gelten soll: von Batterien für Elektromobilität über Kunststoffverpackungen bis hin zu Textilien und vielem mehr. Produkte sollen länger genutzt, wiederverwendet, repariert und recycelt werden. 

Autor: Mag. Alexander Kohl

 

Foto: Pixabay

Der vorgestellte Aktionsplan der Kommission enthält einen Katalog von zirka 35 legislativen und nicht-legislativen Maßnahmen für den gesamten Lebenszyklus von Produkten - vom Design und der Herstellung bis zum Verbrauch, zur Reparatur, Wiederverwendung und zum Recycling. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen zur Produktpolitik. Ziel des Aktionsplans ist es, den Konsum-Fußabdruck der EU zu verringern, den Anteil kreislauforientiert verwendeter Materialien in der EU in den kommenden zehn Jahren zu verdoppeln und zugleich das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Bereiche mit dem größten ökologischen Fußabdruck, wie Textilien, Bauwirtschaft und Gebäude und Elektronik, werden vorrangig behandelt. Der Elektronik-Sektor soll auch ein prioritärer Bereich für die Umsetzung des „Rechts auf Reparatur“ sein. Der für den europäischen Grünen Deal zuständige Exekutiv-Vizepräsident Frans Timmermans erklärte zu dem Aktionsplan: „Um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, unsere natürliche Umwelt zu erhalten und unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, bedarf es einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft. Unsere Wirtschaft ist heute noch überwiegend linear gestaltet und nur zwölf Prozent der Sekundärstoffe und -ressourcen gelangen wieder in die Wirtschaft zurück. Viele Produkte gehen zu schnell kaputt, können nicht ohne Weiteres wiederverwendet, repariert oder recycelt werden oder sind nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher kann ein enormes Potenzial entfaltet werden“, so Timmermans. 

Zentraler Bestandteil des Aktionsplans sind dabei Maßnahmen zur Art und Weise, wie Produkte hergestellt und wie sie angepasst werden können, um Wiederverwendung, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit zu optimieren. Circular Design spielt eine wesentliche Rolle. Wesentlicher Pfeiler der neuen Kreislaufwirtschaft ist die Minimierung von Müll durch umsichtiges Design. Der EU-Plan will sicherstellen, dass Ressourcen so lange wie möglich im Kreislauf bleiben, und damit den Wirtschaftsstandort Europa, Beschäftigung und die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wirtschaft stärken. Experten sehen die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft etwa als notwendige Rohstoffwende als Ergänzung zur Energiewende. „Vom Übergang von der linearen zur Kreislaufwirtschaft ist jede Branche und jeder Konsument betroffen“, kommentierte etwa ARA-Vorstand Christoph Scharff die Veröffentlichung der EU-Kommission.

Wichtig seien jetzt Innovationen und Investitionen an den richtigen Schwerpunkten. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft könne letztlich zum Erfolgsmodell werden und neue Geschäftsmodelle initiieren. „Dafür darf sich die EU aber nicht in kleinteiliger Regulierung verlieren, sondern muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und ihren Fokus auf die Ausgestaltung eines Sekundärrohstoffmarktes legen“, sagt dazu Holger Kunze, Leiter des Europabüros des Maschinenbauverbands VDMA. Der Markt für Sekundärrohstoffe funktioniere noch nicht wie gewünscht, sei aber die Basis einer Kreislaufwirtschaft. Solange Primärrohstoffe deutlich günstiger seien als Sekundärrohstoffe, sei kein Marktanreiz für deren Einsatz da. „Daher ist es nun wichtig, Qualitätsstandards für recycelte Materialien und deren Wiederverwendung gemeinsam mit der Industrie zu erarbeiten“, so Kunze.

 

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