Der Österreichische Energiemarkt befindet sich im Wandel hin zu mehr Dezentralität, Bürger:innenbeteiligung und Eigenversorgung. Wie unterstützt OurPower seine Kund:innen bei Stromproduktion und Eigenversorgung?
Hemma Bieser: OurPower wurde gegründet, um Produzent:innen von Sonnenstrom, Wind- und Kleinwasserkraft eine direkte Vermarktung zu ermöglichen. 2018 war die Vergütung für eingespeisten Ökostrom sehr niedrig, zwischen 2 und 4 ct/kWh. Bei OurPower können die Produzent:innen auch heute ihren Preis selbst langfristig festlegen. Das gibt mehr Planbarkeit bei der Investition in erneuerbare Anlagen und fördert so den Ausbau. Der OurPower-Marktplatz stellt dabei die Beziehungen zwischen Stromproduzent:innen und Stromkund:innen her. Diese werden von mindestens drei Kraftwerken beliefert. Der Mix aus Sonne, Wind und Wasser macht es möglich, dass wir unsere Kund:innen 24 Stunden am Tag, das ganze Jahr über, mit 100% erneuerbarer Energie aus der Region beliefern können.
OurPower unterstützt auch beim Aufbau von Energiegemeinschaften. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Gruppen, die eine Energiegemeinschaft gründen möchten?
Energiegemeinschaften sind ein sehr mächtiges Vehikel der Energiedemokratie, wenn sich eine Gruppe von Menschen zusammentut, um gemeinsam Strom zu erzeugen und in der Community zu teilen. Es geht um mehr als nur um den Vorteil des Einzelnen. Es geht um die langfristige und stabile Energieversorgung einer Region. Der Vorteil der Gemeinschaft steht über dem kurzfristigen finanziellen Vorteil Einzelner.
Im Rahmen der letzten Green Tech Summits haben Sie auch das Thema „Energiepartnerschaften“ angestoßen. Welche Potenziale sehen Sie darin, um gemeinsam Lösungen für die Energiewende umzusetzen?
Energiepartnerschaften entstehen dort, wo verschiedene Akteure erkennen, dass sie gemeinsam mehr erreichen als alleine. Für die Energiewende brauchen wir Gemeinden, Unternehmen, Wohnbauträger und Bürger:innen, die sich zusammenfinden – nicht nur als Kund:innen, sondern als Mitgestalter:innen. OurPower versteht sich dabei als Plattform und Enabler: Wir bringen die Produzent:innen mit den Verbraucher:innen zusammen und schaffen die Infrastruktur, damit diese Partnerschaften funktionieren. Das Potenzial ist enorm – gerade in Kombination mit Energiegemeinschaften, wo aus einer Partnerschaft eine echte Community wird.
Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung der Energiegemeinschaften in Österreich ein? Welche Hürden müssen aus Ihrer Sicht noch überwunden werden?
Österreich ist ein Pionierland für Energiegemeinschaften in Europa. Wir waren bei den ersten, die Energiegemeinschaften erst im Gesetz und dann in der Praxis umgesetzt haben. Der nächste Schritt wird es sein, in den Energiegemeinschaften den Verbrauch noch mehr der Erzeugung anzupassen, also Strom zu speichern oder dann das E-Auto zu laden, wenn die Sonne gerade scheint. Dafür gibt es bereits intelligente Netzsteuerungen und Energiemanagementsysteme. Eine rasche Markteinführung intelligenter Technologien (z. B. Smart Grids) ist jetzt erforderlich.
Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie durch das neue ElWG für Energiegemeinschaften und die Entwicklung einer dezentralen, bürgernahen Energieversorgung?
Das ElWG schafft einen rechtlichen Rahmen für aktive Kund:innen, dynamische Tarife und neue Abrechnungsmodelle, das ist ein wichtiger Schritt. Besonders die Anerkennung von Energiegemeinschaften als vollwertige Marktteilnehmer:innen eröffnet neue Möglichkeiten. Jedoch können Energiegemeinschaften immer nur einen Teil des Strombedarfs abdecken – es braucht immer noch einen Reststromlieferanten. OurPower bietet hier ein Gesamtkonzept, das die regionale Vollversorgung inklusive Energiegemeinschaften aus einer Hand kombiniert. Die Richtung im ElWG stimmt – aber zwischen Gesetz und gelebter Praxis liegt noch viel Entwicklungsarbeit. Und auf die freuen wir uns.