BMLUK Green Tech Summit: Maßnahmen für industrielle Transformation, Kreislaufwirtschaft und Export

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Rund 50 Vertreter:innen aus Wirtschaft und Verwaltung diskutierten beim 13. BMLUK Green Tech Summit am 19. Oktober 2026 in Wien konkrete Maßnahmen für österreichische Kreislaufwirtschaft- und Umwelttechnologien. Im Mittelpunkt standen die Dekarbonisierung der Industrie, die geplante Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes, Energie aus Abwasser und bessere Finanzierungsmöglichkeiten im Export.
Die Teilnehmenden des 13. BMLUK Green Tech Summit am 19. Oktober 2026 in Wien.
Die Teilnehmenden des 13. BMLUK Green Tech Summit am 19. Oktober 2026 in Wien.

Welche Rahmenbedingungen brauchen Unternehmen, um klimafreundliche Technologien schneller einzusetzen? Was braucht es an Deregulierung in der Abfallwirtschaft und welche Exportmärkte sind für die Umwelttechnik-Industrie interessant? 

Diese Fragen standen beim Treffen im Gobelinsaal des BMLUK zur Diskussion. Eingeladen hatten das BMLUK, die IV-Plattform Green Tech Industry und das Green Tech Valley.

Sektionschef Christian Holzer und Kari Ochsner, IV-Präsident & Vorsitzender der IV-Plattform Green Tech Industry, begrüßten die Teilnehmenden. Auf die fachlichen Impulse aus Unternehmen und Verwaltung folgten vier Arbeitsgruppen, die Vorschläge zur weiteren Umsetzung erarbeiteten.

Industrielle Transformation mit heimischen Technologien

Kari Ochsner und Urban Peyker, stellvertretender Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, beleuchteten die Voraussetzungen für die Dekarbonisierung der Industrie. Zur Sprache kamen Elektrifizierung, Energieeffizienz, erneuerbare Gase und Kreislaufwirtschaft sowie die Frage, wie Innovationen schneller in die industrielle Anwendung gelangen.

Peyker verwies auf Österreichs Stärken im Maschinen- und Anlagenbau, in der Automatisierung, im Engineering und in der Softwareentwicklung. Forschung und Demonstration müssten gemeinsam gedacht werden. Für die industrielle Skalierung brauche es einen Finanzierungsmix, der öffentliche Förderung mit privaten Investitionen verbindet.

In der Arbeitsgruppe rückte besonders die industrielle Wärmeversorgung in den Vordergrund. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehörten:

  • ein breiterer Einsatz des Made-in-Europe-Bonus für Energie- und Umwelttechnologien;
  • die Weiterentwicklung bestehender Förderaktivitäten für eine dekarbonisierte industrielle Wärmeversorgung;
  • eine Energieraumplanung, die Energiequellen und den Bedarf von Betrieben zusammenführt;
  • ein Dekarbonisierungsgipfel 2027, bei dem energieintensive Unternehmen, Technologieanbieter und Startups ihre Lösungen vorstellen.
 
 

„Wir müssen unabhängiger von fossilen Energieimporten werden. Und sehr oft braucht es bei Wärme und Strom keine Flamme mehr. Heimische Energie stärkt unseren Standort und verringert Abhängigkeiten von Ländern, die unser Demokratieverständnis nicht teilen.“
IV-Präsident Kari Ochsner

 

AWG-Novelle: Verfahren vereinfachen, Stoffkreisläufe erleichtern

Andreas Opelt, Geschäftsführer von Saubermacher, stellte die Kreislaufwirtschaft als Beitrag zur Standortsicherung und Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt. Neben rascheren Genehmigungsverfahren brauche es vor allem Nachfrage nach Sekundärrohstoffen. Öffentliche Beschaffung, Qualitätsstandards und geeignete Anreize könnten dazu beitragen, Märkte für Rezyklate aufzubauen.

Sektionschef Christian Holzer stellte wesentliche Inhalte der geplanten Deregulierungsnovelle zum Abfallwirtschaftsgesetz vor. Die Vorschläge betreffen unter anderem einfachere Nachweise für die Nebenprodukteigenschaft, Anpassungen beim Abfallende sowie Erleichterungen bei Genehmigungen und behördlichen Kontrollen. Ziel ist es, Verwaltungsaufwand zu reduzieren und die Rückführung von Stoffen in den Wirtschaftskreislauf zu erleichtern.

Die anschließende Diskussion behandelte die stärkere Nutzung von Sekundärrohstoffen in der öffentlichen Beschaffung und bessere Bedingungen für die Wiederverwendung. Auch die Weiterentwicklung des Abfallwirtschaftsgesetzes zu einem Abfall- und Kreislaufwirtschaftsgesetz wurde angesprochen.

„Europas größtes Kapital ist unser Know-how. Das müssen wir nutzen, statt durch das Festhalten an alten Technologien Innovationen zu bremsen.“
Sektionschef Christian Holzer

Energie aus Abwasser: Wärme, Biogas und Strom nutzen

Ulrike Rabmer-Koller, Geschäftsführerin von Rabmer GreenTech, erläuterte die Möglichkeiten, Abwasser für die Wärme- und Kälteversorgung zu nutzen. Anwendungen reichen von einzelnen Gebäuden über Quartiere bis zur Einspeisung in Nah- und Fernwärmenetze. Sie sprach sich für eine gemeinsame Strategie von Politik, Kommunen sowie Energie- und Wasserwirtschaft aus. Ihr Vorschlag umfasst ein Ausbauziel von einer Terawattstunde Abwasserwärme bis 2030, Potenzialkarten und Unterstützung für Machbarkeitsstudien.

Astrid Berthold, Geschäftsführerin von Bilgeri EnvironTec, ergänzte die Perspektive der Kläranlagen. Im Fokus standen die flexible Verwertung von Biogas, Gas- und Wärmespeicher sowie die Verbindung mit Photovoltaik. Damit können Kläranlagen neben der Abwasserreinigung auch Aufgaben in der Energieversorgung übernehmen.

Heide Müller-Rechberger, Leiterin der Abteilung Anlagenbezogene Wasserwirtschaft im BMLUK, erklärte die wasserwirtschaftlichen Voraussetzungen. Eine Wärmeentnahme im Kanal vor der Kläranlage müsse eingehend geprüft werden, damit Betrieb und biologische Reinigungsleistung nicht beeinträchtigt werden. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht sei die Wärmegewinnung nach der Kläranlage die bessere Lösung.

Die Arbeitsgruppe schlug eine gemeinsame Abwasserenergieinitiative vor. Weitere Anliegen waren die Berücksichtigung in der kommunalen Energieraumplanung, Unterstützung bei Potenzialanalysen und bessere Möglichkeiten für Kläranlagen, am Energiemarkt teilzunehmen.

Export stärken: Finanzierung für Handelspartner ermöglichen

Christoph Feyerer, Geschäftsführer von Komptech, stellte ein Finanzierungsmodell für internationale Handelspartner vor. Ausgangspunkt sind hohe Finanzierungskosten in wichtigen Exportmärkten. Sie erschweren es Händlern, Maschinen für Vorführungen, Vermietung und den späteren Verkauf vorzufinanzieren.

Die vorgeschlagene „Europäische Lagerstandsfinanzierung“ soll diese Lücke schließen: Eine Bank würde den österreichischen Hersteller bei Lieferung bezahlen, abgesichert über die OeKB. Der Händler könnte die Maschinen zunächst vorführen oder vermieten und den Kaufpreis anschließend zurückzahlen. Komptech regte eine Prüfung der Umsetzbarkeit und ein Pilotprojekt in ausgewählten Zielmärkten an.

Dr. Dörthe Kunellis, Referentin in der Abteilung V/7 – Integrierte Produktpolitik, Betrieblicher Umweltschutz und Umwelttechnologie im BMLUK erläuterte die geplanten Aktivitäten im Rahmen der Exportinitiative Umwelttechnik. Besprochen wurde auch die geplante Delegationsreise zur IFAT Brasilien im Juni 2027. In der Arbeitsgruppe wurden neben Finanzierungsmöglichkeiten der Transfer von technischem und regulatorischem Wissen sowie Kooperationen mit Partnern vor Ort behandelt.

„Export sichert unseren Wohlstand. Für Erfolge in aufstrebenden Märkten brauchen wir weniger Bürokratie und besseren Zugang zu Finanzierung und Risikokapital, besonders für kleinere Projekte.“
Christoph Feyerer, Komptech

 

Vorschläge für die weitere Bearbeitung

Die Arbeitsgruppen präsentierten ihre Ergebnisse abschließend im Plenum. Die Vorschläge reichen von Anpassungen rechtlicher Rahmenbedingungen über die Finanzierung industrieller Anwendungen bis zur stärkeren Nutzung bestehender Energieinfrastruktur. Sie bilden die Grundlage für die weitere Bearbeitung durch die beteiligten Institutionen und Unternehmen. Der 13. BMLUK Green Tech Summit wurde vom Green Tech Valley im Auftrag des BMLUK organisiert und von Geschäftsführer Bernhard Puttinger moderiert.

Foliensatz zum Vortrag SC DI Christian Holzer
„AWG-Novelle-Deregulierung“ zum Download hier

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Christian Holzer
BMLUK Leiter Sektion V

Kari Ochsner
IV Präsident

Christoph Feyerer
CEO Komptech

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Astrid Berthold
CFO Bilgeri Environ Tec

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Bernhard Puttinger
GF Green Tech Valley 

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