Im Mittelpunkt des 12. Green Tech Summits stand die Rolle von Umwelttechnik, Energie und Kreislaufwirtschaft als zentrale Bausteine der Industriestrategie 2035 für Österreich. In einer Videobotschaft zu Beginn der Veranstaltung unterstrich Bundesminister Norbert Totschnig die Bedeutung des Green Tech Summit als Plattform für den Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. „Angesichts der großen Herausforderungen durch Klimawandel, Ressourcenschonung und steigenden Wettbewerbsdruck ist ein koordiniertes Vorgehen aller relevanten Akteur:innen entscheidend“, so Bundesminister Totschnig. Der Summit bringe genau jene Kräfte zusammen, die es brauche, um konkrete Schritte zur Umsetzung der Industriestrategie zu setzen. Insbesondere im Bereich Umwelttechnologie und Kreislaufwirtschaft liege erhebliches Potenzial für Innovation, wirtschaftliche Stärke und die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze. Zugleich betonte Totschnig die zentrale Rolle der Unternehmen: „Sie sind es, die innovative Lösungen entwickeln, diese in die Praxis bringen und damit maßgeblich zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich beitragen“, betonte Bundesminister Totschnig.
Industriestrategie 2035:
Schlüsseltechnologien im Fokus
Einen umfassenden Überblick über die Industriestrategie Österreich 2035 gab anschließend Sektionsleiterin Mag. Sylvia Vana (BMWET). Ziel der Strategie sei es, Österreich bis 2035 unter die Top 10 der OECD-Länder zu führen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu stärken, betonte Vana. Dafür wurden sechs zentrale strategische Zielsetzungen definiert – von der Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit über die Erhöhung der Innovationskraft bis hin zum Ausbau der Resilienz und der Förderung nachhaltiger, zirkulärer Produktionsweisen. Ein wesentliches Novum der Strategie sind neun definierte Schlüsseltechnologien, die als Herzstück aller Maßnahmen gelten und sich quer durch Förderprogramme und politische Initiativen ziehen. Für deren Weiterentwicklung ist ein Forschungs- und Entwicklungsbudget von insgesamt 2,6 Milliarden Euro bis 2029 vorgesehen. Dass auch Energie- und Umwelttechnologien zu diesen Schlüsselbereichen zählen, unterstreicht deren zentrale Bedeutung der Branche innerhalb der industriellen Transformation. Darüber hinaus wurden sieben Handlungsfelder identifiziert, in denen die Strategie konkret ansetzt. Neben Forschung, Technologie und Innovation nimmt insbesondere der Bereich Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie und Transformation eine zentrale Rolle ein. „Es geht vor allem darum, die Rohstoffsouveränität zu stärken, die Nutzung heimischer und europäischer Ressourcen auszubauen und die Resilienz durch Diversifizierung zu erhöhen. Wir wollen unsere Rohstoffsouveränität wiedergewinnen und nachhaltige Ressourcen konsequent nutzen“, betonte Vana.
Insgesamt umfasst die Industriestrategie auch 117 konkrete Maßnahmen, die auf diese Handlungsfelder verteilt sind. Im Energiebereich sind unter anderem ein Industriestrompreis ab 2027 sowie die Verlängerung des Industriestrombonus bis 2029 vorgesehen, um die Wettbewerbsfähigkeit gezielt zu unterstützen. Rund zehn Prozent der Maßnahmen befinden sich bereits in Umsetzung oder wurden beschlossen – darunter zentrale Initiativen wie das FTI-Paket oder das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz. Dabei sei die Strategie bewusst dynamisch angelegt: „Die Industriestrategie ist kein starres Konzept, sondern als ‚living document’ zu verstehen, das laufend weiterentwickelt wird“, so Vana.
Green Tech als Fokus –
Kreislaufwirtschaft als Hebel
Im anschließenden Impuls von Anna Wang, MA (BMIMI), wurde die Bedeutung von Green Tech als Schlüsseltechnologie weiter konkretisiert. Ausgangspunkt sei ein strategisches Zieldreieck der Innovationspolitik, das sich aus Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit sowie Sicherheit und Souveränität zusammensetze. Gerade vor dem Hintergrund multipler Krisen komme es darauf an, diese drei Zielrichtungen gleichzeitig zu stärken. „Vor diesem Hintergrund verfolgt Österreich das Ziel, die Forschungs- und Innovationsintensität weiter zu steigern und Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen“, so Wang. Die Kreislaufwirtschaft wird dabei als Querschnittsthema über alle Innovationsfelder hinweg gedacht. Mit dem beschlossenen FTI-Pakt in Höhe von rund 5,5 Milliarden Euro – davon 1,7 Milliarden Euro für angewandte Forschung, Technologieentwicklung und Innovation aus dem BMIMI – stehen dafür umfangreiche Mittel zur Verfügung. In den kommenden Jahren sollen insbesondere die Schlüsseltechnologien der Industriestrategie sowie Maßnahmen zur Transformation und zum Technologietransfer weiter forciert werden. Erste Programme und Ausschreibungen – etwa in den Bereichen Energieforschung, klimaneutrale Industrie, Ressourcenwende, Städte- und Mobilitätsentwicklung – wurden bereits gestartet oder sind noch für dieses Jahr geplant.
Sektionschef DI Christian Holzer (BMLUK) hob daraufhin hervor, dass es gelungen sei, die zentralen Ziele der Kreislaufwirtschaftsstrategie in der Industriestrategie zu verankern und deren Bedeutung damit weiter zu stärken. „Die Kreislaufwirtschaft kann zu einem echten Wettbewerbsvorteil für die Industrie werden“, bekräftigte Holzer. Bereits in früheren Green Tech Summits seien zahlreiche konkrete Maßnahmen diskutiert worden – etwa zur Weiterentwicklung rechtlicher Rahmenbedingungen für den Übergang von der Abfall- zur Kreislaufwirtschaft, zur Stärkung von Sekundärrohstoffen oder zur Förderung radikaler Innovationen und Demonstrationsprojekte. Ein zentraler Handlungsbedarf besteht weiterhin bei der Sicherung kritischer Rohstoffe, insbesondere im Kontext europäischer Initiativen wie dem Critical Raw Materials Act. Gleichzeitig beginne die Transformation bereits beim Produktdesign: Die neuen Impulse aus der EU-Ökodesignverordnung würden künftig verstärkt in die Entwicklung von Produkten einfließen. Darüber hinaus arbeitet das BMLUK derzeit an einer Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes: „Ziel ist es, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und den Übergang vom Abfall- zum Produktstatus zu vereinfachen und damit wichtige Voraussetzungen geschaffen werden, um zirkuläre Geschäftsmodelle in der Praxis rascher umzusetzen“, so Holzer.
Prioritäten der Branche: Infrastruktur, Umsetzung und Rahmenbedingungen
Im weiteren Verlauf des Summits wurden die Teilnehmenden im Rahmen einer Online-Befragung zu den aus ihrer Sicht wirksamsten Maßnahmen in den drei besprochenen Themenfeldern Energie, Forschung sowie Kreislaufwirtschaft befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild der aktuellen Prioritäten: Im Energiebereich wurde insbesondere die Stärkung der Energieinfrastruktur – also Netze und Speicher – als entscheidend für Versorgungssicherheit und Resilienz hervorgehoben. Im Bereich Forschung, Technologie und Innovation lag der Fokus vor allem auf der besseren Verzahnung von Forschungsmaßnahmen mit konkreten Umsetzungsprogrammen, etwa im Rahmen bestehender Förderinstrumente. In der Kreislaufwirtschaft wiederum wurde die Weiterentwicklung des Abfallwirtschaftsgesetzes hin zu einem umfassenden Kreislaufwirtschaftsgesetz – insbesondere im Hinblick auf das „Abfallende“ – als besonders dringlich bewertet.
In anschließenden Breakout-Sessions wurden diese Themen in kleineren Gruppen weiter vertieft und konkrete Vorschläge aus der Praxis diskutiert. Im Energiebereich standen unter anderem Potenziale rund um „Energie aus Abwasser“ sowie das Erneuerbare-Gase-Gesetz im Fokus. Die Diskussionen im Bereich Forschung und Innovation unterstrichen die Notwendigkeit, den Fokus stärker auf Verwertung und tatsächliche Wirkung von Forschungsergebnissen zu legen. In der Arbeitsgruppe zur Kreislaufwirtschaft wurde zudem darauf hingewiesen, dass hier häufig unterschiedliche Perspektiven – jene des Umweltschutzes und jene der Wirtschaft – aufeinandertreffen würden. Umso wichtiger sei es, bestehende Schnittstellen weiter aus- und verbleibende Hürden gezielt abzubauen.
Zum Abschluss betonte Sektionschef Christian Holzer die Bedeutung des kontinuierlichen Dialogs zwischen Politik, Wirtschaft und Forschung für die erfolgreiche Umsetzung der strategischen Ziele. Nach der Erarbeitung der zentralen Strategien für die Zukunft des Landes müsse die wichtige Phase der Umsetzung folgen. „Ich lade alle Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weitere Akteur:innen dazu auf, sich weiterhin aktiv in diesen Prozess einzubringen“, so Holzer. Der Green Tech Summit habe erneut gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch sei, um konkrete Maßnahmen zu schärfen und gemeinsam voranzutreiben.
Die Veranstaltung wurde vom Green Tech Valley Cluster organisiert und von Geschäftsführer Bernhard Puttinger moderiert. Der nächste Green Tech Summit soll im Herbst stattfinden.
Videobotschaft HBM Totschnig
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