Saubermacher sieht Abfall heute nicht mehr als Endprodukt, sondern als Rohstoffquelle. Was bedeutet diese Perspektive für Ihre strategische Ausrichtung?
Andreas Opelt: Die Perspektive auf Abfall als Rohstoff hat unser Kerngeschäft grundlegend verändert. Wir investieren heute deutlich stärker in die Analyse von Stoffströmen, in Qualitätssicherung und in die Frage, welche Materialien unter welchen Bedingungen wieder in industrielle Prozesse zurückgeführt werden können. Strategisch bedeutet das, dass wir nicht nur Entsorgungsleistungen anbieten, sondern aktiv an der Gestaltung funktionierender Kreisläufe mitwirken – gemeinsam mit Industrie, Kommunen und öffentlichen Auftraggebern.
Saubermacher verfolgt unter anderem die Vision „Zero Waste“ und will zukünftig 100 % der Abfälle verwerten. Welche technologischen und organisatorischen Schritte sind dazu wichtig und welche Herausforderungen sehen Sie?
Der Mensch ist immer noch die beste Sortieranlage der Welt. Deshalb investieren wir intensiv in Aufklärungsarbeit und Weiterbildung. Technologisch liegt der Fokus zum einen auf der sensorbasierten und KI-gestützten Erkennung von Fehlwürfen mittels dem initial von Saubermacher entwickelten Wertstoffscanner der Firma Scan-Tech. Dieser ist direkt am Müllfahrzeug verbaut. Zum anderen setzen wir auf die Entwicklung automatisierter und KI-gestützter Sortierung, um Materialströme und -qualitäten präziser erfassen und besser voneinander trennen zu können. Denn das ist der Kern für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Neben etablierten Strömen gewinnt die Behandlung problematischer Abfälle wie Batterien an Bedeutung.
Richtig. Gemeinsam mit unserem Partner, dem deutschen Entsorgungsprofi Meinhardt, bauen wir daher im nordhessischen Ginsheim-Gustavsburg derzeit die modernste Batteriesortieranlage Europas. Die neue Anlage soll künftig KI-gestützt über eine Milliarde haushaltsübliche Batterien jährlich sortieren und das unter höchsten Sicherheitsstandards. So werden wertvolle Recyclingrohstoffe wie Nickel, Eisen, Zink oder Aluminium gewonnen, die unter anderem in der Stahlproduktion oder für die Herstellung neuer Batterien genutzt werden. Bis zu 95 Prozent der Metalle können einem Recycling zugeführt werden. Damit schließt sich der Stoffkreislauf.
In der Bauwirtschaft engagiert sich Saubermacher beispielsweise bereits mit zirkulären Lösungen für mineralische Bau- und Abbruchabfälle. Wie kann die Entsorgungswirtschaft hier konkret zur Kreislaufwirtschaft beitragen?
Zum Beispiel durch qualitätsgesicherte Aufbereitung, transparente Stoffstromnachweise und verlässliche Recyclingbaustoffe. Damit Kreislaufwirtschaft im Bau zum Standard wird, braucht es aber noch klare Qualitätsanforderungen, Akzeptanz bei Auftraggebern und einen Markt, der Recyclingmaterialien gleichwertig behandelt. Dass es funktionieren kann, zeigt unser jüngstes Gips-zu-Gips-Recyclingwerk, das wir im Vorjahr gemeinsam mit PORR und Saint-Gobain in Stockerau eröffnen durften. Mit der Anlage haben wir den ersten geschlossenen Gipskreislauf in Österreich eingeleitet. Erstmals können Gipsabfälle hierzulande zu Rezyklat verarbeitet werden. Dieses wird bei Saint-Gobain in Bad Aussee wieder zu neuen Gipskartonplatten.
Kreislaufwirtschaft ist branchenübergreifend – wie bewertet Saubermacher die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette (z.B. mit Industrie, Kommunen, Bauwirtschaft)?
Kreislaufwirtschaft ist vor allem eines: Ein Teamsport. Sie ist kein isoliertes Geschäftsmodell, sondern ein gemeinsames System. Entscheidend ist die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Produktgestaltung bis zur Verwertung. Um Zirkularität schneller voranzubringen, braucht es verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Anreize für den Einsatz von Recyclingrohstoffen und den Mut, neue Lösungen auch in der Praxis umzusetzen.