Startup aus Österreich entwickelt neuartige Flächen-Kühlung

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Die Gesetze der Physik für statt gegen sich arbeiten zu lassen und das Feuchtigkeitsproblem beim Flächenkühlen lösen? Dies ist dem österreichischen Startup abaton mit der Entwicklung atmender Bauteile für ein optimales Raumklima gelungen. Die abaton-Gründer Benedikt Goehmann und Maximilian Gruber bringen im Juni 2021 ein neues System auf den Markt: Die patentierte Bauteilatmung

reguliert mit einer speziellen Porenstruktur das beim Kühlen entstehende Tauwasser. Die von Wiener Ingenieuren entwickelten Bauteile überwinden damit das bisher existierende Leistungsproblem von Flächenkühlungen. So sorgen sie für Raumkomfort ohne Zugluft in Wohnungen, Büros und öffentlichen Gebäuden jeden Baujahres und in jeder klimatischen Lage. 

 

Fotos: abaton/Anna Niederleitner

Aufgrund weltweit steigender Temperaturen hat Kühlen mittlerweile die gleiche Bedeutung wie Heizen. Die internationale Energieagentur (IEA) sagt voraus, dass bis 2050 die Gebäudekühlung nach der Industrie weltweit den größten Stromverbrauch verursachen wird. Flächenkühlsysteme und aktivierte Bauteile werden dabei explizit als Teil der Lösung genannt – im Gegensatz zu luftgekühlten Systemen, die viel Energie verbrauchen, geräuschintensiv sind und oft gesundheitliche Nachteile mit sich bringen. In subtropischen Klimazonen aber auch in unserem gemäßigten Klima stieß eine energieeffiziente Kühlung von Flächen aufgrund der damit verbundenen Feuchtigkeitsentwicklung bisher oft an ihre physikalischen Grenzen – was den breiten Einsatz in Gebäuden bisher verhinderte, da es sonst, ohne zusätzliche aufwendige Aufbereitung der Raumluft von der Decke regnen würde. Dieses Limit wird durch die abaton Bauteilatmung nun aufgehoben. Das abaton-System ist für alle Gebäudetypen und Klimazonen geeignet. 

 

Die Innovation aus Österreich machte ihren „Weg“ von der Feuchtmauer-Sanierung zur patentierten Energietechnik. Die langjährige Erfahrung mit der Sanierung von Feuchtmauern wurde auf das relativ neue Problem von Feuchtigkeitsbildung bei Flächenkühlung übertragen. Jochen Käferhaus und Wieland Moser widmen sich seit 30 Jahren der Erforschung und Umsetzung von nachhaltigen Energiesystemen und zählen zu den Pionieren der Bauteilaktivierung. Leo Obkircher ist seit ca. 20 Jahren auf ökologische Energielösungen und saisonale Wärmespeicher zur Nutzung von Abwärme spezialisiert. Alle drei widmen sich zudem seit Jahrzehnten der Feuchtmauersanierung. Die Grundidee der drei Herren wurde von Benedikt Göhmann und Maximilian Gruber aufgegriffen. Gemeinsam entwickelten sie die abaton Bauteilatmung. 

Maximilian Gruber und Benedikt Goehmann

 

Das Prinzip: Die zentrale Einschränkung, welche bisher die Verwendung von zugluftfreien, energieeffizienten Flächenkühlungen in vielen Gebäuden verhindert, ist die Temperaturbeschränkung durch den Taupunkt. Wird dieser an der gekühlten Oberfläche unterschritten, bildet sich Tauwasser, das Bauschäden zur Folge hat. Die Leistung des Kühlsystems ist aber von der Oberflächen-Temperatur abhängig: je kälter, desto leistungsstärker. Konventionelle Kühlsysteme werden durch einen integrierten Taupunktregler abgeschaltet, wenn sich die Oberflächentemperatur dem Taupunkt nähert. Dadurch kommt es zu einer reduzierten Kühlleistung, wenn die Kühllast am höchsten ist. Alternativ sind energiehungrige Entfeuchtungslüftungen notwendig, welche den Effizienzgewinn zunichte machen. Die abaton Bauteilatmung basiert auf einer speziellen Porenstruktur, welche die Kondensationsebene in das Innere der Bauteile verschiebt. Durch die poröse Struktur wird die beim Kühlen unter dem Taupunkt anfallende Feuchtigkeit aufgenommen und im Inneren gepuffert. Die Oberflächenvergrößerung der Poren sorgt zudem für eine starke Verdunstung der Raumfeuchte außerhalb des Kühlbetriebs, wodurch auch die Oberfläche der Module trocken bleibt. Erstmals ist eine zugluftfreie Kühlung dadurch ohne Einschränkungen in allen Gebäuden und Klimazonen möglich. 

 

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