E-Flotten können das Stromnetz entlasten

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Das mit Wind uns Sonnenenergie notwendige Speichern erneuerbare Energie könnte gemäß einer neuen Studie des Klima- und Energiefonds auch via E-Autos bzw. E-Flotten bewerkstelligt werden. Diese würde mit Hilfe von gesteuertem und bidirektionalem Laden als Stromspeicher fungieren und somit das Stromnetz stabilisieren. Das bedeutet,

die Batterie der Autos wird entweder zu jenen Zeitpunkten geladen, an denen es am vorteilhaftesten ist (gesteuertes Laden) oder die Batterie wird als Zwischenspeicher genutzt, um gezielt Strom aus dem Netz aufzunehmen und zur geeigneten Zeit wieder in das Netz einzuspeisen (bidirektionales Laden). 

 

Auch Wien setzt auf eine stadteigene E-Flotte. (Foto: PID/Votava)

Im Projekt „Innovation Sandbox im Energiebereich mit Nutzer:innen“ des Klima- und Energiefonds wurde in einem Open-Innovation-Prozess die Meinung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Flottenverantwortlichen zur aktiven Beteiligung der E-Autos am Energiesystems erhoben. Eine Übersicht zu den Anforderungen der Nutzerinnen und Nutzer und konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Energiewirtschaft liegen jetzt vor. Gemäß der Erhebung ist laut Klimaschutzministerin Leonore Gewessler der Handlungsauftrag klar: „Wir müssen rein in die Erneuerbaren. Nur wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, gelingt es, unser Energiesystem nachhaltig und zukunftsfit zu machen.“ Klima- und Energiefonds Geschäftsführerin Theresia Vogel freut sich dabei, dass „die überwiegende Mehrheit der 1.665 Personen, die sich am Pilotprojekt Innovation Sandbox beteiligt haben, bereit ist, E-Flotten als Stromspeicher einsetzen“.

Um die Erwartungen, Bedürfnisse und auch Ängste der Nutzerinnen und Nutzer zu ermitteln wurde ein Crowdsourcing-Prozess umgesetzt. 1.665 Bürgerinnen und Bürger haben sich beteiligt und Beiträge eingereicht. Gemeinsam mit ausgewählten Expertinnen und Experten wurden anschließend konkrete Rahmenbedingungen und Handlungsempfehlungen erarbeitet. „Uns hat überrascht, dass die Technologien für die Nutzung von E-Autos als Strom-Zwischenspeicher von Nutzerinnen und Nutzern mit offenen Armen empfangen werden“, so Projektleiterin Gertraud Leimüller, Geschäftsführerin winnovation, die mit der Umsetzung der Studie beauftragt war. „Von Technologieskepsis keine Spur. Jetzt braucht es passende Anreize und Geschäftsmodelle, um gesteuertes und bidirektionales Laden so einfach und praktikabel wie möglich zu machen.“ Die Bereitschaft für gesteuertes und bidirektionales Laden ist dabei als hoch einzuschätzen. Mehr als 75 Prozent der Teilnehmenden können sich vorstellen, künftig gesteuertes und bidirektionales Laden in ihrer Organisation beziehungsweise in ihrem Unternehmen umzusetzen und sich aktiv zu beteiligen. Unter idealen Voraussetzungen – das bedeutet unter anderem, dass

ausreichend Be- und Entladeinfrastruktur sowie eine entsprechende Vergütung bereitgestellt werden – würden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei ihr E-Auto etwa 8,5 Stunden pro Tag zur Verfügung stellen und das bevorzugt am Firmengelände oder am Parkplatz zuhause. Allerdings gibt es auch drei systemische Barrieren aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer: Das ist zum einen das Thema Batteriequalität und Haftungsfragen (Wie wirkt sich gesteuertes und bidirektionales Laden auf die Batterie aus? Wer haftet bei Schäden?), die Verfügbarkeit von Ladeplätzen (Wie wird sichergestellt, dass ausreichend erreichbare Ladeplätze vorhanden sind?) und der Mehrwert für Stromnetze und Anbieterstrukturen (Wer profitiert von gesteuertem und bidirektionalem Laden am stärksten und sollte daher die Treiberrolle einnehmen?). Um gesteuertes und bidirektionales Laden in österreichischen Unternehmensflotten breit einzusetzen, wurden aus der Erhebung heraus auch sieben Handlungsempfehlungen für Politik und Energiewirtschaft entwickelt, wie beispielsweise die nötige Anpassung von Regulatorik und Standards in Österreich sowie Ausschreibung von nationalen Demonstrationsprojekten.

 

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