Wie lässt sich Solarenergie effizient in die Umgebung integrieren?

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Städte und Gemeinden wandeln sich rasant – neue Viertel werden entwickelt und bestehende Stadtteile modernisiert. Stadtplanung ist ein hochkomplexes Thema, vor allem wenn es um die Realisierung CO2-armer Wohnlösungen und die Umsetzung von Umweltvorschriften geht. Wie lässt sich da ein Solarenergieprojekt in neue und bestehende Stadtgebiete oder Landschaften integrieren? Stadtplaner wissen oft zu wenig über die Einsatzmöglichkeiten von Solarthermie und Photovoltaik. Fallstudien zu erfolgreich umgesetzten oder geplanten Solarprojekten können aber dazu beitragen, das Interesse der Planer für diese Technologien zu wecken. Aus diesem Grund hat die internationale Forschungsplattform Solar Energy in Urban Planning Daten aus 34 Fallstudien in zehn Ländern zusammengestellt und präsentiert

diese auf einer interaktiven Karte. Für jedes Projekt kann ein mehrseitiger Flyer heruntergeladen werden. Die Karte unterscheidet drei Arten von Projekten: Orange Punkte kennzeichnen bestehende und blaue Punkte neue Stadtgebiete. Grüne Punkte zeigen, dass ein Solarsystem in die Landschaft eingebunden wurde. Etwa ein Drittel der ausgewählten Fallstudien nutzt Solarthermie, die anderen setzen auf Photovoltaikanlagen. "Stadtplaner, Architekten und Beratungsunternehmen erhalten durch unsere detailliert beschriebenen Fallstudien neue Ideen für mögliche Planungsprozesse und Entscheidungsstrategien", sagt Maria Wall, Leiterin von Solar Energy in Urban Planning und Wissenschaftlerin am Fachbereich Energie- und Gebäudeplanung der Lund Universität in Schweden. 

 

Online-Karte unter: http://task51.iea-shc.org/case-studies (Quelle: Solar Energy in Urban Planning, IEA)

Eines der österreichischen Referenzprojekte auf der Karte ist das Neubaugebiet Stadtwerk Lehen in Salzburg, das zwischen 2009 und 2013 errichtet wurde. 300 Wohnungen, eine Kindertagesstätte und ein Studentenwohnheim entstanden auf dem ehemaligen Gelände des Energieversorgers. Die Herausforderung bestand darin, so viel Sonnenenergie wie möglich in dem nahwärmeversorgten Wohngebiet zu nutzen. Um dieses Ziel zu überprüfen, wurde das gesamte Wärmesystem an 300 Punkten vermessen. Die Wissenschaftler empfehlen, klare Zielvorgaben und deren überprüfbare Erfüllung auch in zukünftigen Projekten fest zu verankern. Jede Fallstudie wird in einer Broschüre präsentiert und liefert detaillierte Informationen zum Planungsprozess, zum aktiven oder passiven Einsatz der Solartechnologie sowie zur architektonischen Gestaltung. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Kapitel Vorgehensweise, Methoden und Werkzeuge, denn Stadtplaner benötigen Unterstützung während des komplexen Prozesses. Das Team um Maria Wall hat die in jedem Pilotprojekt angewandten neuen Werkzeuge und Methoden sorgfältig bewertet, um zu entscheiden, ob diese auch anderen Planern empfohlen werden können. Das Kapitel Lessons Learned fasst die Ergebnisse abschließend zusammen. Die Arbeit an den Fallstudien wurde erfolgreich von den Wissenschaftlerinnen Gabriele Lobaccaro und Carmel Lindkvist an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie geleitet. 

Solar Energy in Urban Planning ist eine von mehreren internationalen Forschungsplattformen, die derzeit im Rahmen des IEA Solar Heating and Cooling Programms betrieben werden. Rund 400 Experten aus 21 Ländern sowie fünf Organisationen decken ein breites Themenspektrum ab, von zukunftsweisenden Speicherkonzepten bis hin zu neuen PVT-Lösungen. Alle 34 Fallstudien aus zehn Ländern – Österreich, Kanada, China, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Norwegen, Schweden und der Schweiz – werden auch in einem 416-seitigen Bericht vorgestellt: http://task51.iea-shc.org/Data/Sites/1/publications/Task51-Report-C1-1805031.pdf

 

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