Kreislaufwirtschaft mit Kunststoff – ein Kunststück?

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„Roboter und Röntgenstrahlen sortieren Kunststoffe“, „Pyrolyse als alternatives Recyclingverfahren“ und „Polyolefine als Verpackungsmaterial der Zukunft“: Das waren einige Themen der Kunststoff-Cluster Fachtagung „Kreislaufwirtschaft – Im Spannungsfeld zwischen mechanischem und chemischem Recycling“. Mehr als 100 Besucher hörten Ende Mai spannende Vorträge an der Johannes Kepler Universität Linz zur Vernetzung von Kunststoff-Branche und Abfallwirtschaft.

Dabei standen der Wertstoff Kunststoff, der Recyclingmaschinenbau und die unterschiedlichen Methoden des Recyclings im Fokus. Besonders die Vernetzung von Kunststoff-Branche und Abfallwirtschaft spielt für die Herausforderungen und Probleme des Kunststoff-Abfalls eine zentrale Rolle. Die Fachtagung bewies, dass die Unternehmen kooperationsbereit sind. Sie wollen die vorhandenen Kompetenzen bündeln, um die Kunststoff-Kreislaufwirtschaft zu etablieren. 

 

DI Manfred Hackl, Erema Group, DI Christian Mayr, Kunststoff-Cluster; Bernhard Baumberger, Walter Kunststoffe GmbH, Dr. Markus Schopf, Borealis Group, DI Roman Eberstaller, Sunpor Kunststoff GmbH, Univ.-Prof. Dr. DI Christian Paulik, Institut für die Chemie organischer Stoffe, JKU Linz (Foto: Business Upper Austria)

Können Kunststoffe die Welt retten? Diese Frage stellte Christian Paulik vom Institut für die Chemie organischer Stoffe an der Johannes Kepler Universität Linz in den Raum. Er wies darauf hin, dass Kunststoff ein kontroverses Material ist und Alternativen nicht unbedingt nachhaltiger sind. Nichtsdestotrotz müsse die Kunststoff-Branche nachhaltiger werden. Linz ist dabei ein Hot-Spot, wenn es um die Zukunft des Kunststoffes geht. So behandeln das K1-Zentrum „Chase“, betreut von Paulik, und das gerade eröffnete Linz Institute of Technology die Themenfelder Recycling und Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen. Im Block „Recyclingmaschinen made in Austria“ wurde dann einmal mehr sichtbar, welch großes Know-how im Bereich Recyclingmaschinenbau auch in österreichischen Unternehmen zu finden ist. Michael Heinzlreiter präsentierte das LSP-Verfahren (Liquid State Polycondensation) der Next Generation Recyclingmaschinen GmbH, das sich u.a. durch die hohe Energieeffizienz und die automatische Steuerung auszeichnet. Die Starlinger & Co GmbH hat das Geruchsproblem bei Post-Consumer Rezyklaten gelöst. Eines der innovativsten Unternehmen im Recyclingmaschinenbau ist mit 111 Patenten die Erema Group aus Ansfelden. Geschäftsführer und KC-Beiratssprecher Manfred Hackl betonte: „Beim Kunststoff-Recycling führt kein Weg an den drei Unternehmen vorbei, das beweist den hohen Marktanteil von Österreich in der Branche.“ Die ständig steigende Zahl an Innovationen im Recyclingmaschinenbau erhöht den Stellenwert des Recyclings und entwickelt so die Kreislaufwirtschaft weiter. 

Im Block „chemisches Recycling“ waren sich die Referenten einig: Chemisches Recycling könne die Achillesferse der Branche – das Kunststoff-Abfallproblem – in den Griff bekommen. Der Wahl der Recyclingstrategie sollte immer eine Lebenszyklusanalyse zugrunde liegen, dafür setzte sich Markus Schopf von der Borealis Group ein. Borealis hat im Projekt „Circumat“ mitgewirkt, in dem der Speiseöl-Sammelbehälter „ÖLI“ aus 100 Prozent Post-Consumer Rezyklat entwickelt wurde. Schopf schlussfolgerte, dass Polyolefine das

Material einer zirkulären Zukunft sind. Chemisches Recycling ist auch eine mögliche Lösung für die Verwertung von Carbonfaser-Abfall, wie Andreas Hackl von Next Generation Elements ergänzte. Er stellte die Mitteltemperatur-Pyrolyse seines Unternehmens vor. Und sogar Polystyrol lässt sich chemisch recyceln. Das bewies Roman Eberstaller von der Sunpor Kunststoff GmbH. Das Unternehmen ist Mitglied im „PolyStyreneLoop“, einer Initiative, die sich mit dem Recycling von PS-Schäumen auseinandersetzt. 

 

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