Ozeane bald frei von Plastikmüll?

Sie sind hier

Nach jahrelangem Zumüllen der Weltmeere ist nun Aufräumen angesagt – beziehungsweise einsammeln und abschleppen. Denn Anfang September startete mit The Ocean Cleanup das derzeit größte und ambitionierteste Meeressäuberungsprojekt

der Geschichte. Es wird nun den Großteil der Plastikverschmutzung im sogenannten Great Pacific Garbage Patch entfernen, bevor es auch an anderen Orten der Welt eingesetzt werden soll.

Die niederländische Non-Profit-Organisation, The Ocean Cleanup, hat Anfang September das weltweit erste und größte Ozeanreinigungsprojekt in der San Francisco Bay gestartet. Das Aufräumsystem „System 001" ist zu einem Versuch an einem Standort 240 Seemeilen vor der kalifornischen Küste „abgedampft“, bevor es seine Reise fortsetzte. Auf halbem Weg zwischen Hawaii und Kalifornien wird es mit der Säuberung des Great Pacific Garbage Patch, der weltweit größten Akkumulationszone für Ozeankunststoffe, beginnen. 1,8 Billionen Stück Plastik bedecken dort eine Fläche doppelt so groß wie Texas. Das System 001 besteht aus einer 600 Meter langen U-förmigen Barriere mit einem darunter befestigten drei Meter langen Netz. Das System ist so konstruiert, dass es von Wind und Wellen angetrieben wird, so dass es Plastikabfälle passiv fangen und konzentrieren kann. Aufgrund seiner Form werden die Trümmer in die Mitte des Systems geleitet. Etwas schneller als das Plastik bewegt sich das System wie ein riesiger „Pac-Man“, der die Oberfläche des Ozeans überspannt. Nach sechs Monaten soll das gesammelte Material an Land zurückgebracht und in Produkte umgewandelt werden um die Aufräumarbeiten zu finanzieren. 

Der 24-Jährige Boyan Slat (im Bild), Gründer und CEO von The Ocean Cleanup, erklärte: „Ich bin unglaublich dankbar für die Unterstützung, die wir in den letzten Jahren von Menschen auf der ganzen Welt erhalten haben, die es uns ermöglicht hat, dieses neue System zu entwickeln. Der Start ist ein wichtiger Meilenstein, aber die eigentliche Feier wird stattfinden, sobald der erste Kunststoff an Land zurückkehrt. Seit 60 Jahren bringt die Menschheit Plastik in die Ozeane aus – von diesem Tag an nehmen wir es wieder zurück." Auch Österreich liefert mit dem Meeresbiologen Gerhard Herndl von der Uni Wien, der Mitglied des wissenschaftlichen Beirats ist, einen Beitrag zu diesem Jahrhundert-Projekt. Sobald der Erfolg erreicht ist, soll The Ocean Cleanup in den nächsten zwei Jahren auf eine Flotte von etwa 60 Systemen mit Schwerpunkt auf dem Great Pacific Garbage Patch erweitert werden. Die gesamte Flotte soll innerhalb von fünf Jahren die Hälfte des Plastiks im Great Pacific Garbage Patch entfernen können. Dies steht im Einklang mit dem ultimativen Ziel von The Ocean Cleanup: Bis 2040 soll die Menge an Plastik in den Weltmeeren um mindestens 90 Prozent reduziert werden. 

(Fotos: The Ocean Cleanup / Pierre Augier)

Auch die EU sagt dem Plastikmüll den Kampf an: Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans hat bei der 73. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum UN-Umweltprogramm ein globales „Race to the Top" ins Leben gerufen, um die Verschmutzung durch Plastik zu bekämpfen. Bei der Vorstellung der EU-Kunststoffstrategie und von Legislativvorschlägen

zur Bekämpfung von Einwegplastik als Goldstandard rief Timmermans Regierungen und Industrievertreter aus der ganzen Welt dazu auf ihren Beitrag gegen Plastikmüll zu leisten und gemeinsam nach innovativen Lösungen für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu suchen. Die Kommission will dabei weiter die UN Global Plastics Plattform unterstützen.

x